Bayern verbinden viele zuerst mit Neuschwanstein. Doch das Land besitzt Burgen, die Jahrhunderte älter sind und eine ganz andere Geschichte erzählen: von Kaisern, die auf ihren Reisen durch das Reich in Nürnberg Hof hielten, von Fürstbischöfen, die von ihrem Berg aus über Würzburg herrschten, und von den reichen Herzögen von Niederbayern in Landshut und Burghausen. Drei große Anlagen stehen hier im Mittelpunkt, vier weitere folgen in Kurzporträts.
Burg zu Burghausen
Gut einen Kilometer weit zieht sich die Burg über einen schmalen Höhenrücken zwischen der Salzach und dem Wöhrsee, einem alten Flussarm. Gemessen werden 1.051 Meter; damit gilt sie als längste Burganlage Europas, nach manchen Angaben sogar der Welt. Jenseits der Salzach beginnt Österreich.
Den Aufbau verstehen Sie am besten, wenn Sie von Norden kommen. Dort liegt der einzige ebenerdige Zugang. Es folgen fünf Vorburgen hintereinander, jede durch Graben und Tor von der nächsten getrennt, bis am Südende die Hauptburg mit Palas, Kemenate und Kapelle erreicht ist. In den äußeren Höfen standen Zeughaus, Speicher, Wohn- und Wirtschaftsbauten.
Erstmals erwähnt wird Burghausen 1025, 1168 kam die Burg an die Wittelsbacher. Ihre heutige Gestalt verdankt sie den Herzögen von Bayern-Landshut, die sie als zweite Residenz nutzten und im 15. Jahrhundert, vor allem unter Georg dem Reichen, zu einer der stärksten Festungen des Landes ausbauten. Seine Frau Hedwig, eine polnische Königstochter, lebte nach der Hochzeit in Landshut 1475 vor allem hier; ihre Wohnräume sind erhalten. Heute zeigt das Staatliche Burgmuseum in der Hauptburg die herzoglichen Räume und eine Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Sehenswert ist auch die spätgotische Hedwigskapelle mit ihrem ungewöhnlichen Rippengewölbe.
So kommen Sie hin
- Mit der Bahn
- Burghausen ist Endpunkt einer Regionalbahnstrecke aus Richtung Mühldorf am Inn.
- Zu Fuß
- Von der Altstadt an der Salzach führen steile Gassen und Treppen hinauf.
- Barrierefreiheit
- Pflaster, Steigungen und Treppen; nur eingeschränkt barrierefrei.
Fahrpläne und Zufahrten ändern sich. Bitte prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Angaben der Verkehrsverbünde und der Burgverwaltung.
Kaiserburg Nürnberg
Die Burg gehörte zu den wichtigsten Stützpunkten des mittelalterlichen Reiches. Eine Hauptstadt gab es nicht; Könige und Kaiser zogen mit ihrem Hof von Pfalz zu Pfalz, und vom 11. bis zum 16. Jahrhundert hielten sich nahezu alle von ihnen hier auf. Die Goldene Bulle von 1356 bestimmte, dass jeder neu gewählte König seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten sollte.
Die Anlage besteht aus drei Teilen: im Westen die eigentliche Kaiserburg mit Palas, Kemenate und Doppelkapelle, in der Mitte die Reste der Burggrafenburg mit dem Fünfeckturm, im Osten die Bauten der Reichsstadt, darunter die Kaiserstallung, 1495 als Kornspeicher errichtet. Die romanische Doppelkapelle spiegelt die Ordnung des Hofes: Die obere Kapelle war dem Kaiser und dem hohen Adel vorbehalten, die untere dem übrigen Hof.
Bekannt sind auch der runde Sinwellturm aus dem 13. Jahrhundert, rund 41 Meter hoch, und der Tiefe Brunnen, gut 50 Meter tief in den Fels getrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Burg schwer beschädigt; nur Doppelkapelle und Sinwellturm blieben nahezu unversehrt. Nürnberg liegt zudem an der Burgenstraße, die über Bamberg und Coburg nach Bayreuth führt; mehr dazu auf der Seite Ferienstraßen.
So kommen Sie hin
- Mit der Bahn
- Vom Hauptbahnhof gehen Sie etwa 25 bis 30 Minuten durch die Altstadt, zuletzt bergauf über Kopfsteinpflaster.
- Barrierefreiheit
- Steile, gepflasterte Gassen; Sinwellturm und Tiefer Brunnen nur über Treppen bzw. mit Führung.
- Beste Zeit
- Morgens oder am späten Nachmittag. Im Advent ist die Altstadt während des Christkindlesmarkts sehr voll.
Fahrpläne und Zugänge ändern sich. Bitte prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Angaben des Verkehrsverbunds und der Bayerischen Schlösserverwaltung.
Würzburg: Festung und Residenz

Auf dem Marienberg stand schon im frühen 8. Jahrhundert eine Kirche; die heutige Marienkirche im Burghof reicht in ihren ältesten Teilen ins frühe 11. Jahrhundert zurück. Um 1200 entstand eine Burg mit Bergfried und einem gut 100 Meter tiefen Brunnen. Von 1253 bis 1719 residierten hier die Würzburger Fürstbischöfe, die geistliche und weltliche Macht in einer Hand vereinten.
Im Bauernkrieg 1525 hielt die Besatzung den Aufständischen stand; der Bildschnitzer Tilman Riemenschneider, damals Ratsherr der Stadt, soll danach hier eingekerkert worden sein. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ließ die Burg nach einem Brand 1572 zum Renaissanceschloss umgestalten. 1631 eroberten schwedische Truppen den Berg; danach bauten die Fürstbischöfe die Anlage zur barocken Festung mit wuchtigen Bastionen aus. Heute zeigt das Museum für Franken hier Kunst und Kulturgeschichte der Region, darunter Werke Riemenschneiders.
Die Würzburger Residenz
1719 verließen die Fürstbischöfe den Berg. Ihr neues Schloss in der Stadt, die Residenz, entstand ab 1720 nach Plänen Balthasar Neumanns und gilt als eines der Hauptwerke des süddeutschen Barock. Höhepunkt ist das Treppenhaus mit seinem stützenfreien Gewölbe, das sogar den Bombenangriff vom 16. März 1945 überstand. Darauf malte der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo 1752 und 1753 ein Deckenfresko, das zu den größten zusammenhängenden der Welt gezählt wird. Es zeigt die vier damals bekannten Erdteile, die dem Fürstbischof huldigen; in der Szene für Europa hat Tiepolo auch Neumann selbst verewigt. Würzburg ist zudem Ausgangspunkt der Romantischen Straße, die bis nach Füssen am Fuß von Neuschwanstein führt.
So kommen Sie hin
- Mit der Bahn
- Vom Hauptbahnhof sind es zu Fuß rund 15 Minuten zur Residenz.
- Zu Fuß
- Von der Alten Mainbrücke führt ein steiler Weg durch die Weinberge in etwa 20 bis 30 Minuten zur Festung.
- Barrierefreiheit
- Die Festung ist wegen Steigungen und Kopfsteinpflaster nur eingeschränkt zugänglich.
Fahrpläne und Zugänge ändern sich. Bitte prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Angaben des Verkehrsverbunds und der Bayerischen Schlösserverwaltung.
Weitere Burgen im Überblick
Vier weitere Anlagen lohnen einen Umweg. Sie liegen verstreut zwischen Schwaben, dem Altmühltal, Oberfranken und Niederbayern; zwei Ferienstraßen helfen bei der Planung: Die Romantische Straße führt von Würzburg über Harburg nach Füssen, die Burgenstraße berührt Nürnberg und Coburg.
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Schwaben · Romantische Straße
Burg Harburg
Auf einem Felssporn über der Wörnitz, am Rand des Nördlinger Rieses, steht eine der größten und besterhaltenen Burgen Süddeutschlands. Sicher bezeugt ist sie 1150 als staufische Reichsburg; 1299 kam sie an die Grafen von Oettingen, heute gehört sie einer Kulturstiftung der Familie.
- Region
- Schwaben, Landkreis Donau-Ries
- Bauzeit
- 12. bis 18. Jahrhundert
- Stil
- Romanik bis Barock
- Besonderheit
- nahezu vollständig erhalten
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Niederbayern · Altmühltal
Burg Prunn
Hoch auf einem Kalkfelsen über dem Altmühltal bei Riedenburg steht Burg Prunn, erstmals 1037 erwähnt, mit einem romanischen Bergfried aus Buckelquadern. Hier fand der Gelehrte Wiguleus Hund im 16. Jahrhundert eine Handschrift des Nibelungenlieds.
- Region
- Niederbayern, Landkreis Kelheim
- Bauzeit
- 13. bis 17. Jahrhundert
- Stil
- Romanik und Spätgotik
- Besonderheit
- Fundort einer Nibelungenlied-Handschrift
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Oberfranken · Burgenstraße
Veste Coburg
Rund 160 Meter über der Stadt liegt die „Fränkische Krone“, eine sehr gut erhaltene Burg mit dreifachem Mauerring. 1530 wohnte Martin Luther hier fast ein halbes Jahr, während in Augsburg der Reichstag tagte, den er als Geächteter nicht besuchen konnte.
- Region
- Oberfranken
- Bauzeit
- 13. bis 17. Jahrhundert
- Stil
- Gotik und Festungsbau
- Besonderheit
- Luthers Aufenthalt 1530
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Niederbayern · Landshut
Burg Trausnitz
Mit der Burg gründete Herzog Ludwig der Kelheimer 1204 zugleich die Stadt Landshut. Ab 1568 wurde sie zum Renaissanceschloss umgebaut; erhalten ist die Narrentreppe mit lebensgroßen Figuren der Commedia dell’arte. Alle vier Jahre feiert die Stadt das historische Fest „Landshuter Hochzeit 1475“.
- Region
- Niederbayern
- Bauzeit
- ab 1204, Umbau 1568 bis 1578
- Stil
- Romanik bis Renaissance
- Besonderheit
- Narrentreppe mit Fresken um 1575
Häufige Fragen
Welche Burg in Bayern ist die größte?
Der Länge nach die Burg zu Burghausen. Nach Fläche oder Baumasse fällt die Antwort anders aus; eine allgemein anerkannte Rangliste gibt es nicht.
Sind die Burgen mit der Bahn erreichbar?
In Nürnberg, Würzburg, Coburg, Landshut und Burghausen ja: Die Burgen liegen dort in Gehweite des Bahnhofs oder an Stadtbuslinien. Harburg und Prunn erreichen Sie bequemer mit Auto oder Fahrrad.
Wo liegen die Schlösser Ludwigs II.?
Im Allgäu, in den Ammergauer Alpen, im Wettersteingebirge und am Chiemsee – mehr auf der Seite Königsschlösser Ludwigs II.
Was unterscheidet eine Burg von einer Festung?
Eine Burg ist der befestigte Wohnsitz des Mittelalters, eine Festung eine rein militärische Anlage für den Krieg mit Geschützen. Die Festung Marienberg zeigt beides: im Kern eine mittelalterliche Burg, außen barocke Bastionen. Mehr dazu im Glossar.
