Region · Kurpfalz und Neckartal

Heidelberg und der Neckar

Eine Ruine aus rotem Sandstein, die zum Sinnbild der Romantik wurde, eine steinerne Brücke, ein Spazierweg mit dem berühmtesten Blick der Stadt – und flussaufwärts ein Tal, in dem sich Burg an Burg reiht, bis zum Anfang der Burgenstraße.

Redaktion Castel Travel Inform · Stand: Oktober 2026

Blick über den Neckar auf die Alte Brücke, die Heidelberger Altstadt und die rote Sandsteinruine des Schlosses am Waldhang
Heidelberg vom Philosophenweg aus: Alte Brücke, Altstadt und darüber am Hang des Königstuhls die Schlossruine.

Kaum ein Bauwerk in Deutschland wurde so oft gemalt, bedichtet und beschrieben wie das Heidelberger Schloss, und kaum eines verdankt seinen Ruhm so sehr seiner Zerstörung. Die Ruine aus rotem Neckarsandstein liegt am Nordhang des Königstuhls. Von der Alten Brücke oder vom Philosophenweg aus fügen sich Fluss, Dächer, Kirchtürme und Schloss zu einem Bild, das seit dem frühen 19. Jahrhundert für die deutsche Romantik schlechthin steht.

Das Heidelberger Schloss

Eine Burg in Heidelberg wird 1225 erstmals erwähnt; 1303 ist von einer oberen und einer unteren Burg die Rede, Letztere auf dem Jettenbühl, wo heute das Schloss steht. Als Residenz der Pfalzgrafen wuchs die Anlage über drei Jahrhunderte, und fast jeder Kurfürst fügte einen eigenen Bau im Stil seiner Zeit hinzu. Ihren Höhepunkt erlebte sie um 1600: Friedrich IV. ließ von 1601 bis 1607 den Friedrichsbau errichten, sein Sohn Friedrich V. baute für seine Frau Elisabeth Stuart den Englischen Bau und ließ von Salomon de Caus den Hortus Palatinus anlegen, einen Terrassengarten, den Zeitgenossen als achtes Weltwunder rühmten. Vollendet wurde er nie. 1619 nahm Friedrich die böhmische Krone an und verlor sie nach nur einem Winter, mit ihr die Pfalz – der Dreißigjährige Krieg hatte begonnen.

Zerstörung und Romantik

Den Untergang brachte der Pfälzische Erbfolgekrieg. Beim Abzug im März 1689 setzten französische Truppen das Schloss in Brand, im September 1693 sprengten sie Türme und Mauern. Vom aufgesprengten Krautturm, einem Pulverturm an der Ostseite, liegt bis heute ein Teil der Mauern im Graben. 1720 verlegten die Kurfürsten ihre Residenz nach Mannheim, und als 1764 ein Blitz die teilweise wiederhergestellten Bauten erneut ausbrennen ließ, war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken.

Was als Ruine blieb, wurde im 19. Jahrhundert zum Sehnsuchtsort. Clemens Brentano, Achim von Arnim und Joseph von Eichendorff lebten oder studierten in der Stadt, Friedrich Hölderlin widmete ihr eine Ode, William Turner malte das Schloss mehrfach. Der französische Emigrant Charles de Graimberg zeichnete die Ruine und kämpfte für ihre Erhaltung. Um 1900 stritt man heftig über einen Wiederaufbau. Nur der Friedrichsbau wurde von 1890 bis 1900 unter Carl Schäfer wiederhergestellt; für den Rest setzte sich die Haltung durch, die der Kunsthistoriker Georg Dehio in die Formel „konservieren, nicht restaurieren“ fasste. Dieser Schlossstreit gilt als Wendepunkt der Denkmalpflege in Deutschland.

Rundgang im Schloss

Der Ottheinrichsbau

Der Ottheinrichsbau an der Ostseite des Schlosshofs zählt zu den bedeutendsten Bauten der Renaissance in Deutschland. Kurfürst Ottheinrich regierte nur von 1556 bis 1559, doch in dieser Zeit entstand eine Hoffassade, die sich wie ein Bilderbuch lesen lässt: unten Helden aus Bibel und Antike, darüber christliche Tugenden, ganz oben die Planetengötter. Die Figuren schuf der flämische Bildhauer Alexander Colin mit seiner Werkstatt. Im Untergeschoss zeigt das Deutsche Apotheken-Museum historische Arzneischränke und Laboreinrichtungen.

Das Große Fass

Im Keller unter dem Fassbau liegt das Große Fass, bereits das vierte seiner Art. Solche Riesenfässer nahmen den Zehntwein auf, den die Winzer als Abgabe lieferten. Das heutige ließ Kurfürst Karl Theodor 1751 bauen; es fasste ursprünglich gut 221.000 Liter, nach dem Schwinden des Holzes noch etwa 219.000. Gefüllt wurde es nur dreimal, denn dicht war es nie. Daneben wacht die Figur des Perkeo, eines Hofnarren aus der Zeit Kurfürst Karl Philipps. Seinen Namen soll er seiner Antwort auf die Frage verdanken, ob er das Fass allein austrinken könne: „Perché no?“ – „Warum nicht?“

Schlossgarten und Schlossbeleuchtung

Vom Hortus Palatinus sind vor allem die Terrassenmauern geblieben; von der Scheffelterrasse im Schlossgarten öffnet sich einer der schönsten Blicke auf Schloss und Altstadt. An einigen Sommerabenden wird die Ruine bei der Schlossbeleuchtung in rotes Licht gesetzt, als stünde sie noch einmal in Flammen, danach folgt ein Feuerwerk über dem Neckar. Die Tradition reicht bis 1815 zurück. In den vergangenen Jahren fand die Beleuchtung meist zwei- bis dreimal pro Sommer statt; die Termine veröffentlicht die Stadt Heidelberg jedes Jahr neu.

Alte Brücke und Philosophenweg

Unten am Neckar verbindet die Alte Brücke die Altstadt mit dem Stadtteil Neuenheim. Offiziell heißt sie Karl-Theodor-Brücke: Nachdem Hochwasser und Eisgang 1784 die hölzerne Vorgängerin zerstört hatten, ließ der Kurfürst sie von 1786 bis 1788 aus rotem Sandstein errichten. Das Brückentor gehörte zur mittelalterlichen Stadtbefestigung. Im März 1945 sprengten deutsche Truppen zwei Pfeiler, 1947 war die Brücke wiederhergestellt.

Am Neuenheimer Ufer führt der Schlangenweg in Kehren und über Treppen hinauf zum Philosophenweg, der sich rund zwei Kilometer am Hang des Heiligenbergs entlangzieht. Vom fast ebenen Philosophengärtchen sehen Sie das Bild des Fotos oben: Fluss, Brücke, Altstadt und Schloss vor dem Königstuhl. Seinen Namen verdankt der Weg wohl den Studenten, die hier spazieren gingen; am östlichen Ende erinnert ein Gedenkstein an Hölderlins Ode „Heidelberg“.

Burgen im Neckartal

Oberhalb von Heidelberg schneidet sich der Neckar tief in den Buntsandstein des Odenwalds. Auf den Bergspornen über den Flussschleifen sicherten im Mittelalter Burgen Fluss und Wege. Sie erreichen sie mit der S-Bahn, dem Schiff oder auf dem Neckartal-Radweg.

Dilsberg und Neckarsteinach

Wenige Kilometer flussaufwärts thront über einer Neckarschleife die Bergfeste Dilsberg bei Neckargemünd, ein ummauertes Städtchen mit Burgruine. Gegenüber liegt das hessische Neckarsteinach, die Vierburgenstadt. Zwischen 1100 und 1230 bauten die Landschad von Steinach hier vier Burgen auf einem Höhenrücken: Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schadeck, wegen seiner Lage am Fels auch „Schwalbennest“ genannt. Vorder- und Mittelburg sind nicht öffentlich zugänglich, die Ruinen von Hinterburg und Schadeck dagegen frei begehbar.

Burg Hirschhorn

Weiter flussaufwärts, ebenfalls in Hessen, steht Burg Hirschhorn auf einem Bergsporn direkt über der Altstadt. Die Herren von Hirschhorn gründeten sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts; zu den ältesten Teilen gehören die Schildmauer und der Palas mit Bergfried. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Anlage schlossartig erweitert. Vom Bergfried blicken Sie weit über das Tal.

Burg Hornberg und Götz von Berlichingen

Über Neckarzimmern erhebt sich Burg Hornberg über steilen Weinbergterrassen. Der Reichsritter Götz von Berlichingen, der „Ritter mit der eisernen Hand“, kaufte sie 1517 und starb dort 1562. Auf Hornberg diktierte er seine Lebensbeschreibung, aus der Goethe den Stoff für sein Drama „Götz von Berlichingen“ schöpfte. Seit 1612 gehört die Burg den Freiherren von Gemmingen; die weitgehend verfallene Oberburg und ein kleines Museum sind zu besichtigen.

Burg Guttenberg

Über dem Dorf Neckarmühlbach, gegenüber von Gundelsheim, steht Burg Guttenberg. Sie entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wurde nie zerstört und gehört seit 1449 den Herren von Gemmingen. Der rund 40 Meter hohe Bergfried bietet einen weiten Blick über das Tal, dazu kommen ein Burgmuseum und eine Greifvogelwarte. Flussaufwärts liegt Bad Wimpfen mit den Resten der staufischen Kaiserpfalz.

Auftakt der Burgenstraße

Die Kaiserburg Nürnberg aus Sandstein auf ihrem Felsen, davor Dächer und ein Fachwerkgiebel der Altstadt
Die Kaiserburg Nürnberg, eine der bekanntesten Stationen der Burgenstraße weiter im Osten.

Heidelberg und das Neckartal bilden den Auftakt der Burgenstraße, einer der ältesten Ferienstraßen Deutschlands. Gegründet wurde sie 1954, lange war Mannheim ihr Ausgangspunkt. Nach der heutigen Streckenführung beginnt sie im Raum Schwetzingen und Heidelberg und führt auf rund 840 Kilometern bis Bayreuth. Die ersten Etappen folgen dem Neckar über Neckargemünd, Neckarsteinach, Eberbach und Mosbach zu Burg Hornberg, Burg Guttenberg und Bad Wimpfen. Hinter Heilbronn geht es nach Franken, unter anderem nach Rothenburg ob der Tauber und Nürnberg. Mehr dazu auf den Seiten Ferienstraßen und Burgen in Bayern.

Anreise und Besuch

Planen Sie für Schlosshof, Großes Fass und Garten einen halben Tag ein, mit Philosophenweg und Altstadt einen ganzen. Früh am Morgen und gegen Abend ist der Schlosshof ruhiger.

So kommen Sie hin

Mit der Bahn
Heidelberg Hauptbahnhof ist gut an den Fernverkehr angebunden; in die Altstadt fahren Busse und Straßenbahnen. Ins Neckartal fährt die S-Bahn.
Zu Fuß
Vom Kornmarkt führen steile Gassen und Treppen in etwa 15 Minuten zum Schloss. Bequemer ist die Bergbahn, die seit 1890 vom Kornmarkt hinauffährt.
Mit dem Schiff
In der Saison Ausflugsschiffe flussaufwärts, unter anderem nach Neckargemünd und Neckarsteinach.
Mit dem Auto
Parkhäuser am Rand der Altstadt; ins Neckartal führt die B 37 am Fluss entlang.
Barrierefreiheit
Die Bergbahn erleichtert den Weg zum Schloss; dort und auf den Burgen des Neckartals gibt es viele Stufen und unebene Wege.

Fahrpläne und Zufahrten ändern sich. Bitte prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Angaben der Verkehrsverbünde und der Burgverwaltungen.

Häufige Fragen

Kann man das Schloss ohne Führung besuchen?

Schlosshof, Großes Fass, Apotheken-Museum und Garten können Sie in der Regel auf eigene Faust besichtigen. Einige Innenräume sind nur bei Führungen zugänglich.

Wann findet die Schlossbeleuchtung statt?

An einigen Sommerabenden, deren Termine jedes Jahr neu festgelegt werden. An diesen Abenden sind Neckarufer und Alte Brücke sehr voll.

Lassen sich Heidelberg und die Neckarburgen an einem Tag verbinden?

Teilweise. Vormittags das Schloss, nachmittags mit S-Bahn oder Schiff nach Neckarsteinach – das ist gut machbar. Für Hirschhorn, Hornberg und Guttenberg sollten Sie einen weiteren Tag einplanen.