Reiseführer für Deutschland

Burgen, Schlösser und historische Orte zwischen Alpenrand und Ostsee

Kaum ein Land ist so dicht mit Burgen besetzt wie Deutschland. Wie viele Burgen, Schlösser und Ruinen es genau gibt, weiß niemand; gängige Schätzungen sprechen von rund 25.000 Anlagen – vom Turmhügel, der nur noch als grasbewachsene Kuppe zu erkennen ist, bis zum Königsschloss mit Thronsaal.

Castel Travel Inform ordnet diese Fülle nach Regionen, Epochen und Reisewegen. Wir erklären, was einen Bergfried von einem Palas unterscheidet, welche Anlagen sich zu einer Route verbinden lassen und worauf Sie vor dem Besuch achten sollten.

Schloss Neuschwanstein auf seinem bewaldeten Felsen, im Hintergrund das Alpenvorland mit Seen, gesehen von der Marienbrücke
Neuschwanstein, gesehen von der Marienbrücke. Seit 2025 gehört das Schloss zusammen mit Linderhof, Herrenchiemsee und dem Königshaus am Schachen zum UNESCO-Welterbe.

Zwölf Burgen, die man gesehen haben sollte

Eine Auswahl, keine Rangliste: zwölf Anlagen aus neun Jahrhunderten, die zeigen, wie verschieden deutsche Burgen und Schlösser sind – vom Zollturm im Fluss bis zum Königstraum aus Kalkstein. Jede Karte führt zur ausführlichen Regionalseite.

  • Schloss Neuschwanstein von Osten mit dem rötlichen Torbau im Vordergrund, dahinter Alpsee und Berggipfel

    Allgäu · Bayern

    Neuschwanstein

    Ludwig II. ließ ab 1869 eine Ritterburg errichten, wie sie das Mittelalter nie gekannt hatte: Sängersaal und Thronsaal hinter Türmen aus Kalkstein, dazu Warmluftheizung und fließendes Wasser. Vollendet wurde sie nie.

    Region
    Ostallgäu, Bayern
    Bauzeit
    ab 1869, unvollendet
    Stil
    Historismus, neuromanisch
    Besonderheit
    seit 2025 UNESCO-Welterbe
  • Die Kaiserburg Nürnberg aus Sandstein auf ihrem Felsen, davor Dächer und ein Fachwerkgiebel der Altstadt

    Franken · Bayern

    Kaiserburg Nürnberg

    Auf dem Sandsteinfelsen über der Altstadt hielten sich über Jahrhunderte die römisch-deutschen Könige und Kaiser auf. Doppelkapelle, Sinwellturm und Tiefer Brunnen erzählen vom Alltag einer Reichsburg.

    Region
    Mittelfranken, Bayern
    Bauzeit
    11. bis 16. Jahrhundert
    Stil
    Romanik und Gotik
    Besonderheit
    romanische Doppelkapelle
  • Die langgestreckte Burg zu Burghausen auf dem Höhenrücken über der Altstadt, im Vordergrund eine alte Bruchsteinmauer

    Oberbayern

    Burg zu Burghausen

    Gut einen Kilometer weit zieht sich die Anlage über den Höhenrücken zwischen Salzach und Wöhrsee. Hauptburg und fünf Vorburgen reihen sich hintereinander, gesichert durch Gräben, Tore und Türme.

    Region
    Oberbayern, an der Salzach
    Bauzeit
    11. bis 16. Jahrhundert
    Stil
    vorwiegend Spätgotik
    Besonderheit
    gilt als längste Burganlage Europas
  • Burg Eltz mit ihren Türmen und Fachwerkerkern auf einem Felsen im bewaldeten Tal, darüber Morgennebel

    Eifel · Mosel

    Burg Eltz

    Versteckt in einem Seitental der Mosel ragt die Burg mit Erkern und Fachwerktürmen aus dem Wald. Seit dem 12. Jahrhundert ist sie im Besitz derselben Familie, und anders als viele Nachbarn wurde sie nie zerstört.

    Region
    Eifel, Rheinland-Pfalz
    Bauzeit
    12. bis 16. Jahrhundert
    Stil
    Romanik bis Renaissance
    Besonderheit
    Ganerbenburg mehrerer Familienzweige
  • Die helle Marksburg mit hohem Bergfried auf einer bewaldeten Kuppe über dem Rhein bei Braubach

    Mittelrhein

    Marksburg

    Hoch über Braubach steht die Burg, die als einzige Höhenburg am Mittelrhein gilt, die im Mittelalter nie zerstört wurde. Seit 1900 gehört sie der Deutschen Burgenvereinigung, die im romanischen Palas ihren Sitz hat.

    Region
    Mittelrhein, Rheinland-Pfalz
    Bauzeit
    13. und 14. Jahrhundert
    Stil
    Romanik und Gotik
    Besonderheit
    Teil des Welterbes Oberes Mittelrheintal
  • Die weiße Zollburg Pfalzgrafenstein auf einer Felsinsel im Rhein vor Kaub, am Hang darüber Burg Gutenfels zwischen Weinbergen

    Mittelrhein bei Kaub

    Pfalzgrafenstein

    Wie ein steinernes Schiff liegt die Zollburg auf einer Felsinsel mitten im Rhein. Ludwig der Bayer ließ den Turm 1326/27 errichten; über Jahrhunderte sicherte die Burg den Rheinzoll von Kaub.

    Region
    Mittelrhein, Rheinland-Pfalz
    Bauzeit
    Turm 1326/27, Ringmauer um 1340
    Stil
    Gotik
    Besonderheit
    Zollburg ohne Wohnfunktion, nur per Boot erreichbar
  • Blick über den Neckar auf die Alte Brücke, die Heidelberger Altstadt und die rote Sandsteinruine des Schlosses am Waldhang

    Neckar · Baden-Württemberg

    Heidelberger Schloss

    Die Ruine aus rotem Neckarsandstein wurde zum Sinnbild der deutschen Romantik. Französische Truppen zerstörten das Schloss 1689 und 1693, ein Blitzschlag besiegelte 1764 den Verfall.

    Region
    Kurpfalz, Baden-Württemberg
    Bauzeit
    13. bis 17. Jahrhundert
    Stil
    Gotik und Renaissance
    Besonderheit
    Ottheinrichsbau, ein Hauptwerk der Renaissance
  • Burg Hohenzollern mit zahlreichen Türmen auf dem Gipfel des Zollerbergs, umgeben von herbstlich gefärbtem Wald

    Schwäbische Alb

    Burg Hohenzollern

    Die heutige Burg ist bereits die dritte auf dem Zollerberg. Auf Betreiben König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen entstand sie von 1850 bis 1867 als neugotisches Denkmal für das Haus Hohenzollern.

    Region
    Schwäbische Alb, Baden-Württemberg
    Bauzeit
    1850 bis 1867
    Stil
    Neugotik
    Besonderheit
    Stammburg der Hohenzollern
  • Schloss Lichtenstein mit schlankem Rundturm auf einem steilen Kalkfelsen, über eine Brücke mit der Vorburg verbunden

    Schwäbische Alb

    Schloss Lichtenstein

    Ein Roman stand Pate: Wilhelm Hauffs „Lichtenstein“ von 1826 begeisterte Graf Wilhelm von Württemberg so sehr, dass er 1840 bis 1842 ein Ritterschlösschen auf den Felsen über dem Echaztal setzen ließ.

    Region
    Schwäbische Alb, Baden-Württemberg
    Bauzeit
    1840 bis 1842
    Stil
    Neugotik, Burgenromantik
    Besonderheit
    nach einem Roman erbaut
  • Gepflasterte Brücke zum Torhaus der Wartburg, links dahinter Wehrgang und Bergfried in warmem Licht

    Thüringen

    Wartburg

    Hier übersetzte Martin Luther 1521/22 das Neue Testament ins Deutsche, 1817 versammelten sich Studenten zum Wartburgfest. Der Palas zählt zu den besterhaltenen romanischen Profanbauten nördlich der Alpen.

    Region
    Thüringen, bei Eisenach
    Bauzeit
    ab dem 11. Jahrhundert, Palas 12. Jahrhundert
    Stil
    Romanik, im 19. Jahrhundert ergänzt
    Besonderheit
    UNESCO-Welterbe seit 1999
  • Albrechtsburg und die Türme des Meißner Doms auf dem Burgberg, die sich in der Elbe spiegeln

    Elbland · Sachsen

    Albrechtsburg Meißen

    Ab 1471 entstand über der Elbe ein Bau, der keine Burg mehr sein wollte: Die Albrechtsburg gilt als erster Schlossbau in Deutschland. Ihr Großer Wendelstein, ein Treppenturm am Schlosshof, gilt als Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst.

    Region
    Elbland, Sachsen
    Bauzeit
    ab 1471
    Stil
    Spätgotik
    Besonderheit
    ab 1710 Sitz der ersten europäischen Porzellanmanufaktur
  • Das beleuchtete Schweriner Schloss mit goldener Kuppel in der Abenddämmerung, gespiegelt im Wasser, rechts eine Bogenbrücke

    Mecklenburg

    Schweriner Schloss

    Auf einer Insel im Schweriner See ließ Großherzog Friedrich Franz II. das Schloss von 1845 bis 1857 umgestalten; das Loire-Schloss Chambord war eines der Vorbilder. Heute tagt hier der Landtag.

    Region
    Mecklenburg-Vorpommern
    Bauzeit
    heutige Gestalt 1845 bis 1857
    Stil
    Historismus, Neorenaissance
    Besonderheit
    seit 2024 Teil des UNESCO-Welterbes

Vom Holzturm zum Märchenschloss

Burgen und Schlösser sind gebaute Geschichte. Wer die Epochen kennt, liest die Mauern wie eine Chronik: hier ein romanisches Rundbogenfenster, dort ein barockes Treppenhaus, darüber ein Zinnenkranz aus dem 19. Jahrhundert. Die Zeitangaben sind Richtwerte, denn Stile wanderten langsam und regional sehr verschieden.

  1. um 750 bis um 1050

    Karolinger und Ottonen

    Die Herrscher reisen von Pfalz zu Pfalz. Befestigungen bestehen meist aus Wall, Graben und Palisade; in Stein entstehen vor allem Kirchen wie die Pfalzkapelle in Aachen.

  2. um 1050 bis um 1250

    Romanik

    Die steinerne Adelsburg setzt sich durch: Bergfried, Palas und Ringmauer auf Bergspornen, dazu Rundbögen und gekuppelte Fenster – gut zu sehen an der Wartburg und der Kaiserburg Nürnberg.

  3. um 1250 bis um 1500

    Gotik

    Burgen wachsen und werden wehrhafter, mit Zwingern, Torbauten und Zollstationen an den Flüssen. Gegen Ende entstehen erste Schlossbauten wie die Albrechtsburg in Meißen.

  4. um 1500 bis um 1620

    Renaissance

    Feuerwaffen machen hohe Mauern verwundbar. Der Adel zieht in wohnlichere Schlösser mit Arkadenhöfen und Ziergiebeln; der Ottheinrichsbau in Heidelberg zeigt die neue Formensprache.

  5. um 1620 bis um 1770

    Barock

    Nach dem Dreißigjährigen Krieg bauen Fürsten Residenzen mit Gärten und langen Sichtachsen. Festungen wie Königstein und Marienberg werden mit Bastionen für den Artilleriekrieg ausgebaut.

  6. um 1770 bis um 1850

    Romantik

    Ruinen werden zu Sehnsuchtsorten. Dichter und Maler entdecken den Rhein, verfallene Burgen werden wieder aufgebaut, und Schloss Lichtenstein entsteht nach dem Vorbild eines Romans.

  7. um 1850 bis um 1900

    Historismus

    Das Mittelalter wird zum Bauprogramm: Hohenzollern, Schwerin und Neuschwanstein verbinden historische Formen mit der Technik ihrer Zeit.

Alle Baustile im Glossar

Das Plönlein in Rothenburg ob der Tauber: gelbes Fachwerkhaus an der Gabelung zweier Gassen, links der Siebersturm
Das Plönlein in Rothenburg ob der Tauber. Die Stadt liegt sowohl an der Romantischen Straße als auch an der Burgenstraße.

Auf Ferienstraßen von Burg zu Burg

Viele Anlagen liegen so nah beieinander, dass sich eine Reise entlang einer Ferienstraße anbietet. Die Burgenstraße, 1954 ins Leben gerufen, führt heute auf rund 840 Kilometern vom Neckar bei Heidelberg bis nach Bayreuth – vorbei an den Burgen des Neckartals, an Rothenburg ob der Tauber und Nürnberg.

Die Romantische Straße verbindet seit 1950 auf gut 400 Kilometern Würzburg mit Füssen, wo Neuschwanstein den Schlusspunkt setzt. In Sachsen-Anhalt beschreibt die Straße der Romanik eine große Acht um Magdeburg und reiht fast 90 Bauwerke des Mittelalters aneinander: Dome, Klöster, Pfalzen und Burgen.

Ferienstraßen im Überblick

Burg, Schloss oder Festung?

Im Alltag verschwimmen die Begriffe: Neuschwanstein heißt Schloss und sieht aus wie eine Burg, die Wartburg diente lange als fürstliche Residenz. Die Fachsprache unterscheidet trotzdem recht genau.

  • Burg

    wehrhaft und bewohnt

    Der befestigte Wohnsitz des Mittelalters, meist zwischen dem 10. und dem 15. Jahrhundert errichtet. Verteidigung und Wohnen gehören zusammen: der Bergfried als letzte Zuflucht, der Palas als Wohn- und Saalbau, Ringmauer und Tor als Schutz.

  • Schloss

    repräsentativ statt wehrhaft

    Der Wohnsitz eines Fürsten oder Adligen, dessen Mauern nicht mehr verteidigen, sondern beeindrucken sollen. Typisch sind regelmäßige Grundrisse, große Fenster, Festsäle und Gärten – seit der Renaissance die vorherrschende Bauaufgabe des Adels.

  • Festung

    gebaut für den Kanonenkrieg

    Eine rein militärische Anlage, ausgelegt auf Geschütze statt auf Armbrust und Rammbock. Statt hoher Türme prägen niedrige, massive Wälle, vorspringende Bastionen und gewölbte Kasematten das Bild.

Vom Bergfried bis zum Zwinger: das Glossar

Welterbe hinter Mauern

Mehrere deutsche Welterbestätten drehen sich ganz oder teilweise um Burgen, Schlösser und Residenzen. Zwei Einträge sind besonders jung.

  1. 1981Würzburger Residenz mit Hofgarten und ResidenzplatzBarockresidenz der Fürstbischöfe mit dem Treppenhaus Balthasar Neumanns.
  2. 1984Schlösser Augustusburg und Falkenlust in BrühlKurkölnische Residenz und Jagdschloss des Rokoko.
  3. 1990Schlösser und Parks von Potsdam und BerlinVon Sanssouci bis zur Pfaueninsel, mehrfach erweitert.
  4. 1994Stiftskirche, Schloss und Altstadt von QuedlinburgDer Schlossberg über einer der größten Fachwerkaltstädte des Landes.
  5. 1999WartburgRomanischer Palas, Lutherstube und Erinnerungsort deutscher Geschichte.
  6. 2002Oberes MittelrheintalDie Flusslandschaft zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz mit ihren Burgen.
  7. 2013Bergpark Wilhelmshöhe in KasselMit der Löwenburg, einer als Ruine erbauten Burg der Romantik.

Die Welterbeliste wächst jedes Jahr. Den aktuellen Stand veröffentlicht die Deutsche UNESCO-Kommission.

Luftbild des Oberen Mittelrheintals: Der Rhein windet sich zwischen bewaldeten Hängen, unten rechts der Loreley-Felsen
Das Obere Mittelrheintal mit dem Loreley-Felsen. Am Rhein ergänzen Schiffe und Fähren Bahn und Bus.

Gut vorbereitet auf den Burgberg

Burgen liegen selten bequem. Viele thronen auf Felsspornen, zu denen steile Fußwege führen; andere erreichen Sie nur mit der Fähre oder über lange Treppen. Ein wenig Planung macht den Unterschied zwischen Gedränge am Tor und einem ruhigen Vormittag im Burghof.

  • Offizielle Angaben prüfen: Öffnungszeiten, Führungen und Einlassregeln wechseln mit der Saison. Maßgeblich sind die Informationen der jeweiligen Schlösserverwaltung oder Burg.
  • Zeitfenster einplanen: In sehr gefragten Schlössern wie Neuschwanstein sind die Innenräume nur mit Führung zu festen Zeiten zugänglich.
  • An die Wege denken: Festes Schuhwerk lohnt sich fast überall, und Höhenburgen sind oft nur eingeschränkt barrierefrei.
  • Nebensaison nutzen: Frühjahr und Herbst sind ruhiger als die Sommerferien, und das tiefe Oktoberlicht schmeichelt jedem Sandstein.

Zur Reiseplanung

Unabhängig und werbefrei

Castel Travel Inform vermittelt keine Reisen und verkauft nichts. Unsere Redaktion recherchiert in Fachliteratur und bei den Stellen, die Burgen und Schlösser betreuen, und schreibt so, dass Sie vor Ort mehr sehen. Hinweise auf Fehler oder Ergänzungen nehmen wir gern per E-Mail entgegen.