Ein Burgbesuch beginnt nicht am Tor, sondern mit der Frage, wann und wie man hinkommt. Viele Anlagen liegen auf Bergspornen, manche auf Inseln, einige sind nur über lange Fußwege zu erreichen. Die großen Schlösser ziehen in der Hauptsaison so viele Gäste an, dass Führungen zu festen Zeiten vergeben werden. Dieses Kapitel bündelt, was für fast alle Burgen und Schlösser in Deutschland gilt. Die Einzelheiten – Öffnungszeiten, Führungsangebote, Zufahrten – legen die jeweiligen Verwaltungen fest, und sie ändern sich. Prüfen Sie diese Angaben deshalb immer kurz vor der Reise.
Die richtige Reisezeit
Viele Burgen, vor allem kleinere und privat geführte, öffnen ihre Innenräume nur etwa von April bis Oktober. Die großen staatlichen Schlösser sind meist ganzjährig zugänglich, im Winter oft mit kürzeren Zeiten. Ruinen und Burghöfe lassen sich häufig jederzeit von außen ansehen, doch steile Wege können im Winter gesperrt oder vereist sein.
Am angenehmsten sind Mai, Juni, September und Oktober. Die Tage sind lang genug, die Sommerferien noch nicht oder nicht mehr in vollem Gang, und das Licht ist weicher als im Hochsommer. Der Oktober färbt die Hänge an Mittelrhein, Mosel und Neckar, bringt aber auch die ersten Nebeltage. Bei sehr gefragten Zielen wie Neuschwanstein oder Burg Eltz lohnt es sich, früh am Morgen oder am späten Nachmittag zu kommen; an Wochenenden und Feiertagen ist der Andrang am größten.
Wetter und Nebel
In Flusstälern liegt im Herbst morgens oft Nebel, der sich gegen Mittag auflöst. Für Fotografen ist das ein Geschenk, denn Burg Eltz oder die Burgen am Rhein schälen sich dann langsam aus dem Dunst. Bei Hochnebel kann es umgekehrt sein: Burgen auf hohen Bergen wie Hohenzollern stehen manchmal in der Sonne über einem Nebelmeer, während das Tal grau bleibt. Sommergewitter machen ausgesetzte Aussichtspunkte und Brücken gefährlich; brechen Sie dann lieber früher ab.
Burgfeste und Adventsmärkte
Mittelaltermärkte, Ritterspiele, Konzerte im Burghof und Theater unter freiem Himmel finden vor allem zwischen Mai und September statt. In der Adventszeit verwandeln sich manche Burghöfe in Weihnachtsmärkte mit Fackeln und Feuerschalen. Solche Veranstaltungen sind stimmungsvoll, bedeuten aber oft geänderte Öffnungszeiten, eigene Einlassregeln und volle Parkplätze. Die Termine veröffentlichen die Burgen und die örtlichen Tourist-Informationen jeweils für die kommende Saison.
Führungen und Zeitfenster
In vielen Schlössern sind die Innenräume nur mit Führung zu sehen, in einigen ausschließlich zu einer fest zugeteilten Uhrzeit. Das betrifft vor allem stark besuchte Häuser wie Neuschwanstein, Linderhof oder Herrenchiemsee. Wer im Sommer spontan anreist, steht dort mitunter vor ausgebuchten Führungen. Erkundigen Sie sich deshalb vorab bei der Schlösserverwaltung, wie und ab wann die Zeitfenster vergeben werden. Rechnen Sie den Weg großzügig ein: Zwischen Ortsmitte und Schlosstor liegen nicht selten 30 bis 40 Minuten Fußweg bergauf, und eine verpasste Führung lässt sich nicht immer nachholen.
Führungen dauern meist zwischen 30 und 60 Minuten. Viele Häuser bieten sie in mehreren Sprachen an oder stellen Audioguides und schriftliche Begleittexte bereit.
Anreise mit Bahn, Bus und Schiff
Erstaunlich viele Burgen erreichen Sie ohne Auto. Am Mittelrhein fahren Regionalzüge auf beiden Ufern, Fähren verbinden die Seiten, und Ausflugsschiffe legen in fast jedem Ort an. Entlang der Elbe fährt die S-Bahn von Meißen über Dresden in die Sächsische Schweiz, unter anderem nach Königstein. Im Allgäu und auf der Schwäbischen Alb übernehmen Busse die letzten Kilometer vom Bahnhof zum Ausgangspunkt des Burgwegs.
Planen Sie die letzte Strecke zu Fuß ein. Zwischen Bahnhof oder Parkplatz und Burgtor liegen häufig 20 bis 60 Minuten, oft bergauf und über Pflaster oder Waldwege. An manchen Anlagen gibt es Pendelbusse, Kutschen oder Aufzüge; ob und wann sie fahren, steht in den aktuellen Angaben der Burg.
Nachhaltig reisen
Die Bahn ist für viele Burgregionen die naheliegende Wahl, besonders dort, wo Parkplätze knapp und Altstädte verkehrsberuhigt sind. Wer mehrere Burgen einer Region besuchen möchte, wählt am besten einen gut angebundenen Standort und fährt von dort sternförmig. Fahrräder lassen sich in vielen Regionalzügen mitnehmen, und an Rhein, Mosel, Neckar und Elbe führen ausgeschilderte Radwege an den Burgen vorbei. Bleiben Sie auf markierten Wegen: Burgfelsen und Ruinen sind oft Lebensraum seltener Pflanzen und brütender Vögel wie Wanderfalke und Uhu.
Vor Ort: Wege, Zugänglichkeit, Fotografieren
- Festes Schuhwerk: Burgwege sind steil, Burghöfe gepflastert, Turmtreppen eng und ausgetreten. Profilsohlen helfen vor allem bei Nässe.
- Barrierefreiheit erfragen: Höhenburgen sind wegen Treppen und Steigungen oft nur eingeschränkt zugänglich. Manche Häuser bieten Aufzüge, Rampen, barrierearme Rundgänge oder Bild- und Filmmaterial zu den Obergeschossen. Fragen Sie vorab bei der Verwaltung nach.
- Fotografieren in Innenräumen: In vielen Innenräumen ist Fotografieren nicht gestattet, aus konservatorischen Gründen und weil Führungen sonst ins Stocken geraten. Blitz und Stativ sind fast überall untersagt. Drohnen dürfen über Burgen und in Schutzgebieten meist nicht fliegen; die Regeln legen Betreiber und Behörden fest.
- Zeit einplanen: Für eine große Burg mit Führung, Burghof und Weg sollten Sie zwei bis drei Stunden rechnen, für ein Schloss mit Park einen halben Tag.
- Gepäck und Kinderwagen: Große Rucksäcke, Koffer und Kinderwagen sind bei Führungen oft nicht erlaubt, und Schließfächer gibt es nicht überall.
Mit Kindern auf die Burg
Für Kinder sind Burgen ideale Ausflugsziele, wenn das Programm zu ihrem Alter passt. Ein Turm zum Hinaufsteigen, ein Burggraben, eine Zugbrücke oder ein tiefer Brunnen bleiben länger in Erinnerung als eine Folge von Prunksälen. Viele Burgen bieten Kinderführungen, Rätselhefte oder Aktionstage an, häufig in den Ferien. Bei Führungen durch empfindliche Innenräume gelten dagegen strenge Regeln, und kleine Kinder werden nach einer langen Erklärung verständlicherweise unruhig.
Wählen Sie für die Jüngsten lieber Anlagen mit großem Außengelände, etwa Ruinen und weitläufige Burghöfe, in denen man sich frei bewegen darf. Eine Trage ist auf Burgwegen meist praktischer als ein Kinderwagen. Unser Glossar erklärt Begriffe wie Pechnase oder Zwinger so, dass Sie sie unterwegs gut weitergeben können.
Routenideen nach Regionen
Die folgenden Vorschläge verbinden Burgen, die sich an einem bis vier Tagen gut kombinieren lassen. Ausführliche Beschreibungen finden Sie auf den Regionalseiten; längere Reisen entlang einer Route stellt das Kapitel Ferienstraßen vor.
Mittelrhein, zwei bis drei Tage
Von Koblenz rheinaufwärts zur Marksburg über Braubach, zur Loreley und nach Kaub mit dem Pfalzgrafenstein. Züge auf beiden Ufern, Fähren und Schiffe machen das Auto entbehrlich. Zum Mittelrhein
Mosel und Eifel, zwei Tage
Burg Eltz im Wald über dem Elzbach, die Reichsburg über Cochem und die Römerstadt Trier mit der Porta Nigra. Zu Burg Eltz und der Mosel
Allgäu und Oberbayern, drei bis vier Tage
Neuschwanstein und Hohenschwangau bei Füssen, Linderhof im Graswangtal und Herrenchiemsee auf der Insel im Chiemsee. Zu den Königsschlössern
Schwäbische Alb, ein bis zwei Tage
Burg Hohenzollern bei Hechingen und Schloss Lichtenstein über dem Echaztal, dazu Wanderungen am Albtrauf. Zu Hohenzollern und Lichtenstein
Elbland, zwei bis drei Tage
Albrechtsburg Meißen, Schloss Moritzburg und die Festung Königstein, von Dresden aus mit S-Bahn und Bus erreichbar. Zu Sachsen
Thüringen, ein bis zwei Tage
Die Wartburg über Eisenach, ergänzt um die Altstadt und weitere Burgen der Region. Zur Wartburg
Häufige Fragen
Sind Burgen auch im Winter geöffnet?
Die großen staatlichen Schlösser sind meist ganzjährig zugänglich, mit kürzeren Zeiten im Winter. Viele kleinere Burgen schließen ihre Innenräume etwa von November bis März. Ob und wann geöffnet ist, steht auf den offiziellen Seiten der jeweiligen Anlage.
Muss ich mich für Führungen vorher anmelden?
Bei sehr gefragten Schlössern ist das in der Hauptsaison ratsam, weil Führungen zu festen Zeiten stattfinden und ausgebucht sein können. Wie die Vergabe funktioniert, regelt jede Verwaltung selbst. Castel Travel Inform vermittelt keine Führungen und beantwortet keine Buchungs- oder Reservierungsanfragen.
Kann man Burgen ohne Auto erreichen?
In vielen Regionen gut: am Mittelrhein und an der Elbe mit Zug und Schiff, im Allgäu mit Bahn und Bus über Füssen. Rechnen Sie aber fast immer mit einem Fußweg von Bahnhof oder Haltestelle, oft bergauf.
Darf man in Burgen fotografieren?
Im Freien fast immer. In vielen Innenräumen ist Fotografieren nicht gestattet, Blitz und Stativ sind meist untersagt. Hinweise am Eingang oder die Person, die die Führung leitet, sagen Ihnen, was gilt.
Sind Hunde erlaubt?
In Burghöfen und auf Außenanlagen sind angeleinte Hunde vielerorts willkommen, in Innenräumen und bei Führungen meist nicht. Für Assistenzhunde gelten oft Ausnahmen. Fragen Sie im Zweifel vorher nach.
Wie viel Zeit sollte ich für einen Besuch einplanen?
Für eine Burg mit Führung zwei bis drei Stunden einschließlich Weg, für ein Schloss mit großem Park einen halben Tag. Wer zwei Burgen an einem Tag sehen möchte, sollte zwei wählen, die nah beieinanderliegen.
