Welterbe · Dome · Altstädte

Historische Orte

Nicht jede bedeutende Mauer gehört zu einer Burg. Dieses Kapitel führt zu Domen, Römerbauten und Altstädten, in denen Antike und Mittelalter greifbar werden.

Redaktion Castel Travel Inform · Stand: Oktober 2026

Das Alte Rathaus in Bamberg mit Fachwerkanbau und bemalter Fassade auf einer Insel in der Regnitz, beidseitig mit Brücken
Das Alte Rathaus in Bamberg steht auf einer künstlich aufgeschütteten Insel in der Regnitz, über Brücken mit beiden Ufern verbunden.

Wer Burgen besucht, landet früher oder später in den Städten, die zu ihren Füßen gewachsen sind. Bischöfe und Kaiser, Kaufleute und Bergleute haben dort Spuren hinterlassen, die oft älter und manchmal eindrucksvoller sind als die Burg auf dem Berg. Dieses Kapitel stellt Orte vor, die keine Burgen sind oder nicht nur: karolingische und romanische Dome, Altstädte aus Fachwerk und Backstein, ein römisches Stadttor und eine Grenze, die einst quer durch Süddeutschland lief. Die meisten stehen auf der Welterbeliste der UNESCO, die für Deutschland 1978 mit dem Aachener Dom begann.

Welterbe im Überblick

Die Liste ordnet die hier besprochenen Stätten nach dem Jahr ihrer Aufnahme. Die vollständige und stets aktuelle Übersicht veröffentlicht die Deutsche UNESCO-Kommission.

  1. 1978Aachener DomDie Pfalzkapelle Karls des Großen, erste deutsche Welterbestätte.
  2. 1981Dom zu SpeyerGrößte erhaltene romanische Kirche, Grablege der salischen Kaiser.
  3. 1986Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in TrierPorta Nigra, Thermen, Konstantinbasilika und Römerbrücke.
  4. 1987Hansestadt LübeckAltstadtinsel mit Holstentor und Backsteingotik.
  5. 1992Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar2010 um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert.
  6. 1993Altstadt von BambergBischofsstadt mit Domberg, Inselstadt und Gärtnerstadt.
  7. 1994Stiftskirche, Schloss und Altstadt von QuedlinburgFachwerk aus acht Jahrhunderten unter dem Schlossberg.
  8. 1996Kölner DomGotische Kathedrale, 1880 nach mehr als 600 Jahren vollendet.
  9. 2005Obergermanisch-Raetischer LimesTeil der transnationalen Stätte „Grenzen des Römischen Reiches“.
  10. 2006Altstadt von Regensburg mit StadtamhofSteinerne Brücke, Dom und Geschlechtertürme an der Donau.

Dome und Kaiserkirchen

Aachener Dom

Um 795 begannen in Aachen die Arbeiten an der Pfalzkapelle Karls des Großen, um 803 war sie vollendet. Ihr Kern ist ein achteckiger Zentralraum, das Oktogon, umgeben von einem sechzehneckigen Umgang mit Emporen. Karl wurde 814 hier beigesetzt, und von 936 bis 1531 wurden in Aachen rund 30 römisch-deutsche Könige gekrönt. 1414 kam die hohe gotische Chorhalle hinzu, deren riesige Fensterflächen ihr den Beinamen „Glashaus“ eingetragen haben. Wie sich an diesem einen Bau mehrere Epochen ablesen lassen, zeigt das Kapitel Baustile & Glossar.

Dom zu Speyer

Am Oberrhein ließ der Salier Konrad II. um 1030 einen Dom beginnen, der alle Kirchen seiner Zeit übertreffen sollte; 1061 wurde er geweiht. Er gilt heute als größte erhaltene romanische Kirche der Welt. In der Kaisergruft ruhen acht Kaiser und Könige, darunter die vier salischen Herrscher. 1689 brannten französische Truppen Speyer nieder – im selben Krieg, der auch das Heidelberger Schloss zerstörte –, und der Dom wurde schwer beschädigt.

Kölner Dom

Am 15. August 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein, doch um 1560 kamen die Arbeiten zum Erliegen. Fast drei Jahrhunderte lang prägte ein Torso aus Chor und Turmstumpf mit hölzernem Kran das Kölner Stadtbild. Erst im 19. Jahrhundert, getragen von Romantik und Nationalbewegung, wurde nach den wiederentdeckten mittelalterlichen Plänen weitergebaut; 1880 feierte man die Vollendung. Die beiden Türme erreichen gut 157 Meter. Im Chor steht der Dreikönigenschrein, eine Goldschmiedearbeit aus der Zeit um 1190 bis 1225.

Altstädte mit Geschichte

Bamberg

Seinen Rang verdankt Bamberg Kaiser Heinrich II., der hier 1007 ein Bistum gründete. Die Altstadt gliedert sich in drei Bereiche: die Bergstadt mit Dom, Alter Hofhaltung und Neuer Residenz, die Inselstadt zwischen den Armen der Regnitz und die Gärtnerstadt. Im Dom liegen Heinrich und seine Frau Kunigunde in einem Grabmal von Tilman Riemenschneider, außerdem Papst Clemens II. – sein Grab gilt als einziges Papstgrab nördlich der Alpen. Das Alte Rathaus mitten im Fluss und die Fischerhäuser von „Klein-Venedig“ am Ufer sind die bekanntesten Ansichten der Stadt.

Quedlinburg

Kopfsteinpflastergasse mit Fachwerkhäusern und Bruchsteinmauer am Schlossberg in Quedlinburg
Gasse am Fuß des Schlossbergs. Viele Häuser wurden über die Jahrhunderte umgebaut und aufgestockt, ihr Fachwerk blieb erhalten.

Am Nordrand des Harzes liegt eine der größten zusammenhängenden Fachwerkaltstädte Deutschlands: Mehr als 2.000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten säumen die Gassen. Über der Stadt erhebt sich der Schlossberg mit der romanischen Stiftskirche St. Servatius und dem Schloss. König Heinrich I. hielt sich hier oft auf und wurde 936 auf dem Berg beigesetzt; seine Witwe Mathilde gründete im selben Jahr ein Damenstift, das über Jahrhunderte großen Einfluss besaß. Quedlinburg ist zugleich Station der Straße der Romanik und der Deutschen Fachwerkstraße.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg steht nicht auf der Welterbeliste, gehört aber zu den bekanntesten Altstädten des Landes. Die Stadtmauer mit ihrem überdachten Wehrgang lässt sich auf langen Abschnitten begehen und gewährt Blicke in Höfe und Gärten. Am Plönlein, einem kleinen Platz an der Gabelung zweier Gassen, stehen Siebersturm und Kobolzeller Tor dicht beieinander. Die Stadt liegt an der Romantischen Straße und an der Burgenstraße, mehr dazu im Kapitel Ferienstraßen. Am ruhigsten wirkt sie früh am Morgen und am Abend, wenn die Tagesgäste fort sind.

Regensburg mit Stadtamhof

An der Donau gründeten die Römer 179 n. Chr. das Legionslager Castra Regina; Reste seines Nordtors, der Porta Praetoria, sind bis heute zu sehen. Aus dem Mittelalter, als Regensburg zu den reichsten Städten des Reiches zählte, stammen die Geschlechtertürme der Patrizierfamilien, von denen hier mehr erhalten sind als irgendwo sonst nördlich der Alpen, und die Steinerne Brücke, 1135 bis 1146 erbaut. Sie verbindet die Altstadt mit Stadtamhof am Nordufer, das ebenfalls zum Welterbe gehört. Von 1663 bis 1806 tagte hier der Immerwährende Reichstag.

Lübeck

Die Altstadtinsel zwischen Trave und Elbe-Lübeck-Kanal war über Jahrhunderte das Zentrum der Hanse. Das Holstentor, 1464 bis 1478 aus rotem und schwarz glasiertem Backstein errichtet, ist das Wahrzeichen der Stadt. Dahinter ragen die Türme von St. Marien auf, deren Bauform vielen Backsteinkirchen im Ostseeraum zum Vorbild wurde. Hinter den Bürgerhäusern liegen schmale Gänge und Höfe, in denen einst Handwerker wohnten. Seit 1987 gehört ein großer Teil der Altstadt zum Welterbe.

Goslar und der Rammelsberg

Silber, Blei und Kupfer aus dem Rammelsberg machten Goslar reich und zogen die Kaiser an. Im 11. Jahrhundert entstand unter Heinrich III. eine Pfalz, deren Kaiserhaus im 19. Jahrhundert restauriert und mit großformatigen Historienbildern ausgemalt wurde. Im Berg wurde mehr als 1.000 Jahre lang fast ohne Unterbrechung Erz gefördert, bis der Bergbau 1988 endete. Heute ist das Bergwerk ein Museum mit Führungen unter Tage. Seit 2010 umfasst das Welterbe auch die Oberharzer Wasserwirtschaft, ein Netz aus Teichen und Gräben, das die Gruben des Oberharzes mit Wasserkraft versorgte.

Römische Spuren

Trier und die Porta Nigra

Trier gilt als älteste Stadt Deutschlands. Als Augusta Treverorum wurde sie um 16 v. Chr. gegründet, in der Spätantike residierten hier zeitweise römische Kaiser, unter ihnen Konstantin der Große. Das wuchtige Nordtor, die Porta Nigra, entstand um 170 n. Chr. aus rund 7.200 Sandsteinblöcken, die ohne Mörtel gesetzt und mit Eisenklammern verbunden wurden. Den Namen „Schwarzes Tor“ erhielt es erst im Mittelalter, vermutlich wegen des verwitterten, dunkel gewordenen Steins.

Dass das Tor erhalten blieb, verdankt es einem Einsiedler. Der Mönch Simeon hatte sich im 11. Jahrhundert in einem der Türme niedergelassen; nach seinem Tod 1035 baute man die Porta Nigra zu einer Doppelkirche um. Erst auf Anordnung Napoleons wurden die kirchlichen Einbauten ab 1804 wieder entfernt.

Das römische Stadttor Porta Nigra in Trier aus dunklem Sandstein mit Bogenfenstern im Morgenlicht
Die Porta Nigra war das Nordtor des römischen Trier.

Wenige Gehminuten entfernt liegen weitere Bauten des Welterbes: die Konstantinbasilika, einst Thronsaal des Kaiserpalastes, Kaiser- und Barbarathermen, das Amphitheater und die Römerbrücke über die Mosel, deren Pfeiler zum Teil noch aus dem 2. Jahrhundert stammen. Dazu kommen der Dom, die älteste Bischofskirche Deutschlands, und gleich daneben die Liebfrauenkirche, eine der frühesten gotischen Kirchen des Landes. Trier lässt sich gut mit einem Besuch von Burg Eltz und der Reichsburg Cochem verbinden.

Der Limes

Rund 550 Kilometer lang war der Obergermanisch-Raetische Limes, die befestigte Grenze des Römischen Reiches zwischen Rheinbrohl am Rhein und Eining an der Donau. Er durchzieht Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, mit Wachtürmen in kurzen Abständen und Kastellen etwa alle zehn Kilometer. Um 260 n. Chr. gaben die Römer die Grenze auf. Heute ist oft nur ein flacher Wall im Wald zu erkennen, an manchen Stellen ergänzt durch nachgebaute Türme. Die bekannteste Rekonstruktion ist die Saalburg im Taunus, die um 1900 auf Betreiben Kaiser Wilhelms II. wieder aufgebaut wurde – nach dem Forschungsstand und den Vorstellungen ihrer Zeit. Seit 2005 gehört der Limes zur Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches“.

Besuchstipps für Altstädte und Dome

Die Bahnhöfe des 19. Jahrhunderts entstanden oft am Rand der mittelalterlichen Mauern, die Altstädte sind deshalb meist bequem ohne Auto zu erreichen. Vor Ort sind Sie zu Fuß am besten unterwegs: Das Pflaster ist uneben, und die schönsten Blicke öffnen sich oft in Seitengassen.

So kommen Sie hin

Mit der Bahn
Aachen, Köln, Speyer, Trier, Bamberg, Regensburg, Lübeck, Goslar und Quedlinburg haben Bahnhöfe. In Köln steht der Dom direkt am Hauptbahnhof, in den übrigen Städten erreichen Sie die Altstadt meist in 10 bis 25 Minuten zu Fuß.
Mit dem Auto
Die Altstädte sind weitgehend verkehrsberuhigt; nutzen Sie die ausgeschilderten Parkplätze am Rand.
Mit dem Rad
Trier liegt am Mosel-Radweg, Regensburg am Donauradweg, Bamberg am Main-Radweg; auch dem Limes folgt ein Radweg.
Barrierefreiheit
Kopfsteinpflaster und Stufen sind häufig. Die Hauptschiffe der Dome sind meist stufenlos zugänglich, Turmaufstiege, Krypten und Schatzkammern oft nicht.
Beste Zeit
Früher Morgen und später Nachmittag, außerhalb der Sommerferien.

Fahrpläne, Öffnungszeiten von Domen, Schatzkammern und Museen sowie Führungsangebote ändern sich. Bitte prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Angaben der Städte, Kirchen und Museen.